Wanderung zum
Wasserfall Piscia de Gallo
Der 70 Meter hohe Piscia de Gallo (Hahnenpiss) gilt als der imposanteste Wasserfall auf Korsika. Deshalb hat Manfred leichte Bedenken, dass wir keinen Parkplatz bekommen könnten. Ich brauche am 30.05.2026 nach dem spartanischen Frühstück trotzdem erst noch eine längere Pause, bis sich meine Magenbeschwerden so weit gelegt haben, dass ich die ca. 45-minütige kurvenreiche Anfahrt nach Ospedale bewältigen kann. Zum Glück ist der
große Parkplatz ca. 3,5 km hinter dem Staudamm von Ospedale nicht zu verfehlen
und um 10 Uhr sind auch noch genügend Plätze frei.
Lauf Wanderführer ist der Weg einfach, aber natürlich sind auch hier immer wieder kleinere Felsen zu überwinden.
Wir zahlen 5 Euro und starten in die als einfach klassifizierte zweistündige Wanderung, auf der 180 Höhenmeter zu bewältigen sind – und auch so mancher Felsen, der auf dem Weg liegt Aber das ist auf „einfachen“ Wegen auf Korsika und ähnlichen Regionen ganz normal. Früher habe das sehr genossen, weil das nicht so langweilig zu gehen ist wie ein einfacher Waldweg. Aber wie bereits erwähnt habe ich seit einiger Zeit ziemliche Probleme mit felsigem Gelände und genau wie in den Calanques de Piana bietet mir auch diesmal wieder eine Frau Hilfe an, die ich wieder dankend ablehne, obwohl ich sie hätte brauchen können. Teilweise kann ich die felsigen Hindernisse auf dem Weg auch umgehen.
Zum Glück verläuft der Weg auf weiten Strecken durch den Wald, der bei 24-25° C wohltuenden Schatten spendet. In der Ferne hören wir einen Kuckuck und mir wird klar, dass ich das seit meiner Kindheit nicht mehr gehört habe und das ist wirklich schon lange her.
Wildblumen und kleine Tiererlebnisse
Zahlreiche Wildblumen bieten immer wieder einen willkommenen Anlass für einen Fotostopp und wir können auch eine Eidechse und einen Schmetterling beobachten.
Später ertönt das Quaken von Fröschen, die wir auch zu sehen bekommen. offensichtlich herrscht gerade Paarungszeit und wir sind nicht die einzigen, die die beiden bei ihrem munteren Treiben beobachten. Als wir den kleinen Fluss überqueren, bleibt eine junge Frau plötzlich mitten auf dem Weg stehen, um in Ruhe ihr Frühstück zu genießen und bringt mich fast aus dem Gleichgewicht. Zum Glück komme ich noch an ihr vorbei und lande ich nicht im Wasser. Was mir in diesem Moment durch den Kopf geht, möchte ich lieber für mich behalten.
Ich komme wieder an meine Grenzen
Anschließend habe ich
wieder etwas Probleme mit einigen felsigen Passagen, vor allem, wenn es bergab
geht. Aber beim Anblick des markanten Felsens, den wir bereits aus dem
Wanderführer kennen, weiß ich wieder, warum ich das trotzdem immer wieder auf
mich nehme. Und weil man bekanntlich aufhören soll, wenn es am schönsten ist, lasse
ich mich an einem schattigen nieder und lasse Manfred die restliche Strecke zum
Wasserfall allein zurücklegen. Den markanten Felsen sehe ich zwar nicht mehr,
aber dafür kann ich Dutzende von Wanderern beobachten, die den ersten
offiziellen Höhepunkt dieser Tour bestaunen und fotografieren. Zwischendurch
mische ich mich auch wieder unter die anderen Naturfreunde und tue es ihnen
gleich.
Manfred kommt ca. eine Viertelstunde später zurück und bestätigt, dass ich die richtige Entscheidung getroffen habe. Das Gelände ist wohl noch deutlich anspruchsvoller geworden und hätte mich vermutlich wirklich an meine Grenzen gebracht. Das letzte sehr steile Stück, das mit Geländer und Drahtseilen gesichert ist, ist er auch nicht mehr gegangen. Wie gesagt sind unsere Klettersteig-Zeiten schon lange vorbei und immerhin hat Manfred den imposantesten Wasserfall Korsikas in natura gesehen. Dafür konnte ich noch ungestört Fotos von der imposantesten Felsformation dieser Wanderung machen, die mittlerweile ununterbrochen belagert ist. Fotos ohne Menschen wären nicht mehr möglich gewesen.
Auf dem Rückweg kommt uns eine sehr große Gruppe von 20-30 Personen entgegen. Manfred sagt was von „Invasion“ und entlockt auch den Betroffenen ein Lächeln, die ihn offensichtlich gehört und auch verstanden haben. Invasion heißt auch auf Französisch so. Kurz drauf kommen zehn weitere Wanderer daher. Das Schuhwerk wird auch immer abenteuerlicher incl. Sandalen und Badeschlappen, die gut zu den mittlerweile 30° C passen, aber natürlich nicht für dieses Gelände geeignet sind. Bergschuhe oder anderes festes Schuhwerk sind eher die Ausnahme.
Crêpe und korsische Musik
Wie erwartet ist der Parkplatz ziemlich voll, als wir nach zwei Stunden gegen Mittag zurückkommen. Ich gönne mir noch ein Crêpe mit Feigenkonfitüre in der Bar. Die korsische Musik im Hintergrund wird durch das laute Stimmengewirr der anderen Mittagsgäste übertönt und genau wie der Wanderweg wird auch die Bar immer voller.
Man spricht Deutsch
Natürlich ist auch die einzige Toilette am Parkplatz belegt, in der Bar gibt es keine. Manfred kann sich die Bemerkung nicht verkneifen, dass da scheinbar wieder so eine Pissnelke drinsitzt, die ewig nicht fertig wird. Dem Blick nach zu urteilen, die die Dame uns beim Verlassen der Toilette zuwirft, hat sie die Beleidigung verstanden. In unmittelbarer Nähe stehen zwei Fahrzeuge mit deutschen Kennzeichen, eines aus Köln, das andere aus Nürnberg. Korsika ist auch bei deutschen Reisenden sehr beliebt.