Calanques de Piana – Einfache Wanderung bringt mich an meine Grenzen
Neben der Bootstour ins Naturschutzgebiet La Scandola gehören auch die Calanques de Piana zu den landschaftlichen Höhepunkten auf Korsika. Die rötlichen Granitfelsen liegen in etwa 400 Metern über dem Meeresspiegel direkt an der Küste und sind ein absoluter Touristenmagnet. Entsprechend hoch ist das Verkehrsaufkommen auf der engen und kurvenreichen D81 von Porto nach Piana, die direkt durch das Felsenwunderland führt. Einfach irgendwo stehenbleiben und fotografieren ist fast nicht möglich.
Zum Glück bekommen wir 26.05.2025 am Tête du Chien" (Hundekopf) noch einen Parkplatz. Die kurze und abwechslungsreiche Wanderung zum "Château Fort" gilt als eine der besten Touren in den Calanques. Laut Google ist sie auch ideal für Familien. Aufgrund des felsigen Terrains ist allerdings festes Schuhwerk ratsam. Das ist auf Wanderungen immer ratsam und für uns ganz selbstverständlich.
Ich komme an meine Grenzen
Der Weg verläuft zunächst ein wenig steil durch ein Waldstück und dann kommen wir in das felsige Terrain, für das man festes Schuhwerk braucht. Früher habe ich das sehr genossen. Aber diese Zeiten sind schon lange vorbei und ich bin schon bei relativ einfachen Passagen überfordert. Anfangs denke ich noch, ich muss einfach erst wieder reinkommen. Aber ich komme einfach nicht rein und suche bei jeder Gelegenheit Halt an Bäumen oder nehme die Hände zu Hilfe. Ich packe auch immer wieder meine Kamera weg, die mich behindert und überlasse das Fotografieren Manfred.
Zwischendurch habe sogar eine totale Blockade und setze mich einfach hin. Eine französische Familie, die mit Kindern unterwegs ist, bietet mir sogar Hilfe an. Das frustriert mich dann so richtig, dass ich in einer Tour scheitere, die ideal für Kinder ist. Es sind auch viele Wanderer mit Turnschuhen oder Sandalen unterwegs, die das felsige Terrain scheinbar deutlich besser bewältigen als ich mit meinen Bergschuhen. Aber gute Schuhe und eine gute Ausrüstung allein reichen halt nicht. Mir geht es schon seit einigen Tagen allgemein nicht besonders gut und nun komme ich auf dieser eigentlich einfachen Wanderung an meine Grenzen.
Als uns eine deutsche Familie mit zwei Kindern entgegenkommt, frage ich, ob das Gelände so weitergeht. Das tut es, aber angeblich sind es nur noch fünf Minuten bis zum Ziel. Aber das will ich mir jetzt einfach nicht mehr antun. Ich habe ohnehin keinen Blick mehr für die spektakuläre Umgebung und überlasse den viel gerühmten Ausblick auf den Golf von Porto Manfred und den anderen Wanderern.
Erinnerungen an bessere Zeiten
Während ich auf die Rückkehr meines Weggefährten warte, frage ich mich, wie ich das früher geschafft habe. Wir sind Jahre lang mit Begeisterung Klettersteige gegangen und 2001 sogar zu Fuß auf die Zugspitze. Wir sind um 6 Uhr in Landshut losgefahren, um 8 Uhr los gelaufen, mit der Seilbahn wieder runter und waren dann gegen 20 Uhr wieder daheim und glücklich, dass wir den höchsten Berg Deutschlands geschafft haben. Und jetzt schaffe ich nicht mal eine einfache Wanderung, die auch für Kinder geeignet ist.
Allerdings hätte ich das als Kind vermutlich auch nicht geschafft. Ich war ziemlich ängstlich und scheinbar kommt die Angst jetzt wieder, obwohl hier keine Absturzgefahr herrscht und der Weg mit etwas Trittsicherheit normalerweise sehr leicht zu bewältigen ist. Aber normalerweise ist mir auch nicht dauernd schlecht.
Auf dem Rückweg bin ich froh, dass der Weg zum großen Teil durch schattigen Wald verläuft, weil es eigentlich auch schon wieder viel zu heiß ist. Kaum zu glauben, dass wir auf unseren zahlreichen Wanderreisen im Südwesten der USA oft Stunden lang bei 35-44° C (meistens ohne Schatten) unterwegs waren und das wirklich total faszinierend fanden. Aber es macht überhaupt keinen Sinn, den guten alten Zeiten nachzutrauern. Es ist jetzt, wie es ist und ich muss das Beste aus der verbleibenden Zeit auf Korsika machen.
Keine weitere Wanderung in den Calanques
Bei einer Pause in einer Bar in Piana lese ich nochmal den Wanderführer durch. Zu einer weiteren Wanderung, die angeblich nur am Anfang steil ist und dann durch ein recht spektakuläres Gebiet führt, müssten wir vom Parkplatz zum Beginn der Tour ca. fünf Minuten auf der Straße zurückgehen. Darauf haben wir beide keine rechte Lust, bei dem Wahnsinns-Verkehr, der hier herrscht. Außerdem kann ich nirgends Fotos oder Reiseberichte zu dieser Tour finden.
Le coeur des amoureux
Anschließend fahren wir durch die Calanques zurück nach Porto und finden einen Parkplatz in der Nähe des berühmten Felsen „Le coeur des amoureux“ (das Herz der Verliebten), nachdem ein Landsmann freundlicherweise sein Wohnmobil ein wenig weiter nach vorne fährt, damit wir auch noch Platz finden. Wir unterhalten uns dann noch ganz nett und machen sie auf den Herz-Felsen aufmerksam, der ihnen völlig entgangen ist. Natürlich wollen sie die außergewöhnliche Felsformation auch noch anschauen. Schließlich sind sie im Urlaub.
Zu wenig Parkplätze
Bizarre Felsformationen haben uns schon immer fasziniert und wir können nicht umhin, Korsika mit unserem langjährigen Traumland zu vergleichen, in dem wir unzählige mehrstündige Wanderungen in grandiosen Naturkulissen unternommen haben. Im Gegensatz zu Korsika gibt es in den amerikanischen Parks ausreichend Parkplätze, während die wenigen Wanderparkplätze hier im Nu belegt sind, sodass man zunächst zu Fuß weite Strecken auf der engen, extrem kurvenreichen und dicht befahrenen Straße zurücklegen müsste, um zum Ausgangspunkt der Wanderung zu gelangen. Ich habe beim Autofahren schon genug Probleme, wenn mal wieder ein Auto um die Kurve schießt, als ob es keinen Gegenverkehr gäbe.
Wir hätten schon viel früher herkommen sollen
Wir hätten definitiv schon deutlich früher nach Korsika reisen sollen, als wir beide noch besser drauf waren und ich noch gelände-tauglicher war. Aber uns hat es halt immer wieder in den Südwesten der USA gezogen. Allerdings haben wir mit der Reise zu unserem 30. Hochzeitstag im November 2024 mit unserer langjährigen zweiten Heimat abgeschlossen und auch keine weiteren Fernreisen geplant, auch wenn es mit unseren Europa-Reisen bisher nicht so optimal läuft.