Abenteuer Mexico - Das Reisen in der Baja California
Die Straßenverhältnisse
Das Reisen in der Baja California ist ein echtes
Abenteuer.
Kein Wunder, dass in der ganzen Baja California alle paar Kilometer ein Reifenhändler kommt.
Hier wird uns bewusst,
dass sich unser Staat sehr viel Geld sparen könnte, wenn er die Straßen
nicht ausbessern würde.
Dann würden wir sicher alle viel weniger Steuern zahlen. Nur müssten wir
dann auf jeder Fahrt um unsere Autos bangen.
Die mexikanischen Straßen
sind sicher einer der Gründe, warum Sie mit einem amerikanischen
Mietwagen normalerweise
nicht nach Mexiko fahren dürfen. Nur sehr wenige
Anbieter lassen Reisen ins Nachbarland zu, aber nur unter Auflagen.
Die Fahrweise
Es ist unübersehbar, dass es hier keinen TÜV gibt (den gibt es in den USA allerdings auch nicht !)
Genauso
katastrophal wie die Fahrzeuge ist oft auch die Fahrweise. Von Disziplin
kann hier häufig nicht die Rede sein.
Wir hatten
noch auf keiner anderen Reise so viele Beinahe-Unfälle wie in der Baja
California.
Ein ganz besonderes Urlaubserlebnis - eine Reifenpanne in der Wildnis der Baja California
Viele Sehenswürdigkeiten in der Baja California sind nur über extrem schlechte Pisten erreichbar.
Wenn man trotz renommiertem Autoverleihers einen
Mietwagen fährt, bei dem die Reifen schon etwas abgefahren sind
und
das nach 20 Stunden Anreise mitten in der Nacht bei einsetzendem Regen
einfach nicht mehr bemerkt hat, ist es
nicht völlig auszuschließen,
dass man vielleicht irgendwann mal ein Problem mit dem Auto bekommt.
Mit dem Mietauto auf einer unerlaubten Piste
Wir hatten das Glück, dieses Problem auf einer
absoluten Piste zu bekommen und nicht auf einer Schnellstraße - denn
bei 80-120 km/h wären wir wahrscheinlich nicht so glimpflich davon gekommen
und könnten Ihnen jetzt vielleicht auch
nichts
mehr über die Baja California berichten.
Auf dieser Strecke hätten wir mit einem Mietauto
eigentlich gar nicht fahren dürfen, aber in der Baja California sind die
Straßen ganz allgemein so schlecht, dass ein Autovermieter dem Kunden
kaum nachweisen kann, dass ein Unfall auf
einer unerlaubten Piste passiert
ist - sofern man aus dem Schlammassel ohne Abschleppdienst raus kommt.
Uns hat der Autovermieter jedenfalls geglaubt, dass es
bei San Ignacio passiert ist - und nicht auf der Horrorpiste zur
Laguna
San Ignacio, die übrigens einige Tage später instand gesetzt wurde und
mittlerweile wohl vieles von ihrem
Schrecken verloren haben dürfte.
Vielleicht hatte der Chef des Autovermieters, für den
wir hier keine Negativwerbung machen möchten, auch einfach
ein schlechtes
Gewissen, weil er uns in einem Land mit so schlechten Straßen ein Auto
mit so schlechten Reifen
angedreht - pardon: vermietet - hatte und auch
noch einen Ersatzreifen mitgeliefert hat, der nicht genügend Luft hatte.
Egal, wir sind heil aus der Sache raus gekommen.
Elisabeths Spanischkenntnissen sei Dank - die haben
nicht nur dem Autovermieter imponiert, sondern auch unseren
unfreiwilligen
Aufenthalt in der mexikanischen Einöde etwas verkürzt.
Aber nun alles schön der Reihe nach:
Chronologie einer Autopanne in der Baja California
Teil I - Die Panne geschieht
59,5 Piste liegen vor uns - zwei Stunden soll das ganze dauern. Wenn alles glatt geht -
(Wenn
Sie wissen wollen, ob die Beziehung zu Ihrem Lebenspartner bzw. Ihrer
Lebenspartnerin intakt ist - fahren Sie eine Piste
in der Baja California, am besten unter Zeitdruck, weil Sie sich gerade
auf eine Whale Watching Tour eingebucht haben. Wenn
Sie bei der Ankunft noch oder wieder miteinander reden, ist Ihre Beziehung
intakt. Wenn nicht, helfen Ihnen die freundlichen
Wale der Baja California sicher über Ihren Ärger hinweg. Anm. der
Autorin)
Wir sind nicht mehr in den USA - das ist uns mittlerweile schon sehr deutlich bewusst geworden.
Aber was soll’s. Wir haben ja einen Reservereifen dabei !
Während Manfred den Reifen
wechselt, mache ich ein paar Fotos von den umstehenden Kakteen. Landschaftlich ist hier
nicht so
viel geboten, so was passiert nie an besonders spektakulären Stellen. Als
ich wieder zurück komme, ist der neue
Reifen oben –
und genau so platt wie der alte.
Pech.
Teil II - Die Warterei beginnt
Nun bleibt uns nichts anderes übrig, als unter der sengenden
mexikanischen Mittagssonne auf Hilfe zu warten. Zum Glück
wissen wir, dass noch ein LKW unterwegs ist, den wir überholt haben,
irgendwann muss der ja kommen –
Mexikaner sind zwar sehr
stille Menschen, aber in der Regel recht hilfsbereit. Der freundliche
LKW-Fahrer versichert glaubwürdig,
dass der Wagen nicht ihm gehört und
er Trinkwasser transportiert. Er darf mich einfach nicht
mitnehmen. Aber er könnte im Ort
Hilfe organisieren und jemanden mit einem
neuen Reifen vorbeischicken.
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Lieber nicht, bei dem Reisetempo dauert das ewig ! Er drückt mir noch die
Hand, der Junge wirft einen letzten Blick in unser Auto – und wir sehen
|
Teil III - Das Warten geht weiter
So geht das Warten weiter, ziemlich lange sogar.
Als nächstes kommen einige Kalifornier, die auch nicht helfen können.
Auch das nächste Auto
kommt aus Kalifornien. Mit sonnigem Gemüt meint der Fahrer, der
offensichtlich noch weniger Ahnung
von Autos hat wie ich, wenn wir langsam fahren würden, kämen wir locker
ans Ziel. 8 Meilen - also 15 km. Mit 15 km/h wären
wir in einer Stunde da.
Neben diesem coolen Ratschlag bietet er uns auch noch ein cooles Bier an.
Vielen Dank - aber bei der Hitze sollten wir vielleicht doch lieber beim Trinkwasser aus dem Supermarkt bleiben -
Teil IV- Die Rettung naht
Schließlich kommt ein
typisch mexikanisches Auto aus der Gegenrichtung. Ein typisch
mexikanisches Auto ist ein Pickup
mit einigen Leuten hinten drauf.
An den fröhlichen
Gesichtern der Insassen bzw. Aufsassen können wir schon von weitem
erkennen, dass sie erkannt haben,
dass hier ein paar Gringos gestrandet sind.
Die Frauen und Mädchen springen
sofort von der Ladefläche und nützen die Pause für etwas Auslauf. Im Nu
sind alle hinter
irgendwelchen Kakteen verschwunden.
Die Herren der Schöpfung zünden
sich zunächst eine Zigarette an und beginnen nach einem prüfenden Blick
auf unseren Reifen
und der obligatorischen Frage, ob wir nicht noch einen
anderen hätten, über unsere schwierige Lage zu fachsimpeln. Leider habe
ich kein Wort von dem verstanden, was sie gesagt haben. Das ist ungefähr
so, wie wenn ein Mexikaner, der in der Schule Deutsch
gelernt hat, nach
Bayern kommt. Der versteht auch nicht viel.
Die Damen gesellen sich
auch wieder zu uns und werden schließlich in einen anderen
vorbeifahrenden Pickup umgeladen.
Nun stehen wir nur noch mit drei Männern in der Prärie, die immer noch
auf mexikanisch überlegen, was sie jetzt tun sollen.
Teil V- Einmal San Ignacio und zurück
Und los geht die wilde Fahrt zurück über 45 km Rüttelpiste nach San Ignacio.
Mit der Aussicht auf Hilfe
gefällt mir auch die Landschaft
wieder besser und ich beginne, das ganze als typisch mexikanisches
Abenteuer zu betrachten.
Manfred, der hinten unter
der zunehmend
sengenden mexikanischen Hitze schmort und sich trotz Hut einen
gewaltigen
Sonnenbrand holt, sieht das vorerst noch nicht so gelassen.
Der ältere unserer drei Helfer bleibt im Ort und die wilde Fahrt geht wieder los.
Nach wenigen Minuten bangen
wir bereits um das Auto unserer Helfer. Bei einem äußerst gewagten
Ausweichmanöver mit
einem
entgegenkommenden LKW – auf so einer Piste fährt keiner
freiwillig auch nur einen Meter zurück – sehe ich in Gedanken schon den
Pickup in einem Hang aus Lavagestein stecken bleiben. Aber irgendwie kommen
die beiden dann doch noch aneinander vorbei.
Und die Rüttelei geht weiter.
Teil VI- Reifenpanne Nr. 2
Der Fahrer legt ein
ziemliches Tempo vor, er hat ja schließlich ein pistentaugliches Fahrzeug
und nicht so einen traurigen Gringo-Schlitten
wie wir, mit dem man so was
gar nicht fahren dürfte.
Nur müssen wir alle 20 Minuten anhalten, um Wasser nachzufüllen. So wundert es uns auch nicht, als wir mal wieder anhalten.
Teil VI- Das Finale
Als wir uns von unseren
Freunden und Helfern mit einem großzügigen Propina (Trinkgeld)
verabschiedet haben, geht es nun
in den Endspurt der Piste. Der Lonely
Planet schreibt, dass der zweite Teil der Piste in besserem Zustand sei
als der erste.
Das
war vielleicht vor 3-4 Jahren so, jetzt nicht
mehr. Es ist kaum zu glauben, aber
der Zustand der Strecke wird noch schlechter.
Schlaglöcher lösen sich
mit ewig langen Waschbrettpisten ab – Manfreds Spezialität, die hatten
uns in Australien schon so manchen
Nerv gekostet – und da hatten wir
keine Reifenpannen.
Die Anspannung der letzten
Stunden ist nicht ganz spurlos an uns vorübergegangen und macht sich nun
auf den letzten 15 km
unserer Irrfahrt bemerkbar. Aber wir haben bei der
Ankunft am Ziel noch (oder wieder ?) miteinander geredet.
Wie bereits erwähnt, wurde die Piste wenige Tage später ausgebessert und war zumindest Ende Februar 2001 relativ gut befahrbar.
Wenn Sie lieber kein Risiko eingehen wollen, können Sie die Anfahrt ab San Ignacio auch organisiert machen.
Die Fahrt lohnt sich auf
jeden Fall, denn am Ende der 59,5 km erwarten Sie die unumstrittenen Stars
der Baja California -
las ballenas grises - die Giganten der Meere - Grauwale.
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