Abenteuer Mexico - Das Reisen in der Baja California

Die Straßenverhältnisse

Das Reisen in der Baja California ist ein echtes Abenteuer.

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Die Straßen in der Baja California sind teilweise in erbärmlichem Zustand.
Sogar Bundesstraßen sind voller Schlaglöcher.

Dies gilt auch für die Lebensader der Baja California, die Mex 1.
Die Mex 5 im Osten ist auf langen Strecken nur eine geteerte Rüttelpiste.

Kein Wunder, dass in der ganzen Baja California alle paar Kilometer ein Reifenhändler kommt.

Hier wird uns bewusst, dass sich unser Staat sehr viel Geld sparen könnte, wenn er die Straßen nicht ausbessern würde.
Dann würden wir sicher alle viel weniger Steuern zahlen. Nur müssten wir dann auf jeder Fahrt um unsere Autos bangen.

Die mexikanischen Straßen sind sicher einer der Gründe, warum Sie mit einem amerikanischen Mietwagen normalerweise 
nicht nach Mexiko fahren dürfen. Nur sehr wenige Anbieter lassen Reisen ins Nachbarland zu, aber nur unter Auflagen.

Die Fahrweise

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Noch schlechter als die Straßen sind teilweise die Fahrzeuge, die man auf mexikanischen
Straßen antrifft.

Da bietet schon einmal einen VW Käfer, bei dem der Motor offen liegt, einen Blick ins
Innenleben des Modells von Anno-Dazumal. Und an einem Auto, das wir überholt haben,
ist an der Fahrerseite anstelle der fehlenden Türe einfach eine verrostete Eisenkette 
gespannt.

Es ist unübersehbar, dass es hier keinen TÜV gibt (den gibt es in den USA allerdings auch nicht !)

Genauso katastrophal wie die Fahrzeuge ist oft auch die Fahrweise. Von Disziplin kann hier häufig nicht die Rede sein.
Wir hatten noch auf keiner anderen Reise so viele Beinahe-Unfälle wie in der Baja California.

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Neben den zugegeben schlechten Straßen und der noch schlechteren Fahrdisziplin in
Mexiko herrscht auch noch das Vorurteil, dass ausländische Autos in Mexiko mit hoher
Wahrscheinlichkeit gestohlen oder aufgebrochen werden.

Deshalb sollten Sie hier Ihr Auto auch nie unverschlossen am Straßenrand stehen lassen.

Wir hatten natürlich ein mexikanisches Auto, da kann man so was schon mal bringen.

Ein ganz besonderes Urlaubserlebnis - eine Reifenpanne in der Wildnis der Baja California

Viele Sehenswürdigkeiten in der Baja California sind nur über extrem schlechte Pisten erreichbar.

Wenn man trotz renommiertem Autoverleihers einen Mietwagen fährt, bei dem die Reifen schon etwas abgefahren sind
und das nach 20 Stunden Anreise mitten in der Nacht bei einsetzendem Regen einfach nicht mehr bemerkt hat, ist es
nicht völlig auszuschließen, dass man vielleicht irgendwann mal ein Problem mit dem Auto bekommt.

Mit dem Mietauto auf einer unerlaubten Piste

Wir hatten das Glück, dieses Problem auf einer absoluten Piste zu bekommen und nicht auf einer Schnellstraße - denn
bei 80-120 km/h wären wir wahrscheinlich nicht so glimpflich davon gekommen und könnten Ihnen jetzt vielleicht auch
nichts mehr über die Baja California berichten.

Auf dieser Strecke hätten wir mit einem Mietauto eigentlich gar nicht fahren dürfen, aber in der Baja California sind die
Straßen ganz allgemein so schlecht, dass ein Autovermieter dem Kunden kaum nachweisen kann, dass ein Unfall auf
einer unerlaubten Piste passiert ist - sofern man aus dem Schlammassel ohne Abschleppdienst raus kommt.

Uns hat der Autovermieter jedenfalls geglaubt, dass es bei San Ignacio passiert ist - und nicht auf der Horrorpiste zur
Laguna San Ignacio, die übrigens einige Tage später instand gesetzt wurde und mittlerweile wohl vieles von ihrem
Schrecken verloren haben dürfte.

Vielleicht hatte der Chef des Autovermieters, für den wir hier keine Negativwerbung machen möchten, auch einfach
ein schlechtes Gewissen, weil er uns in einem Land mit so schlechten Straßen ein Auto mit so schlechten Reifen
angedreht - pardon: vermietet - hatte und auch noch einen Ersatzreifen mitgeliefert hat, der nicht genügend Luft hatte.

Egal, wir sind heil aus der Sache raus gekommen.

Elisabeths Spanischkenntnissen sei Dank - die haben nicht nur dem Autovermieter imponiert, sondern auch unseren
unfreiwilligen Aufenthalt in der mexikanischen Einöde etwas verkürzt.

Aber nun alles schön der Reihe nach:

Chronologie einer Autopanne in der Baja California

Teil I - Die Panne geschieht

59,5 Piste liegen vor uns - zwei Stunden soll das ganze dauern. Wenn alles glatt geht -

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Anfangs sieht die Strecke noch ganz manierlich aus und wir zweifeln an den Zeitangaben. 
Sehr bald wird uns klar, dass die 2 Stunden für die knapp 60 km durchaus realistisch sind.

Der Zustand der Piste stellt höchste Ansprüche an den Fahrer – und zunehmend auch an die 
Beifahrerin. Denn irgendwann kommt der Satz „Wo hast du mich da bloß wieder reingehetzt ?“

(Wenn Sie wissen wollen, ob die Beziehung zu Ihrem Lebenspartner bzw. Ihrer Lebenspartnerin intakt ist - fahren Sie eine Piste
in der Baja California, am besten unter Zeitdruck, weil Sie sich gerade auf eine Whale Watching Tour eingebucht haben. Wenn
Sie bei der Ankunft noch oder wieder miteinander reden, ist Ihre Beziehung intakt. Wenn nicht, helfen Ihnen die freundlichen
Wale der Baja California sicher über Ihren Ärger hinweg. Anm. der Autorin)

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Und irgendwann ist es dann natürlich passiert. Wir  haben einen platten Reifen. Manfred hat 
bereits vorher immer wieder angehalten und besorgt nach dem Zustand unserer Reifen gesehen, 
der ohnehin nicht der beste ist.

Selber schuld, wir hätten das Auto eben trotz Dunkelheit und  20-stündiger Anreise gründlich
ansehen sollten. In den USA haben wir mit diesem Autovermieter immer sehr gute Erfahrungen
gemacht.

Wir sind nicht mehr in den USA - das ist uns mittlerweile schon sehr deutlich bewusst geworden.

Aber was soll’s. Wir haben ja einen Reservereifen dabei !

Während Manfred den Reifen wechselt, mache ich ein paar Fotos von den umstehenden Kakteen. Landschaftlich ist hier
nicht so viel geboten, so was passiert nie an besonders spektakulären Stellen. Als ich wieder zurück komme, ist der neue
Reifen oben – und genau so platt wie der alte.

Pech.

Teil II - Die Warterei beginnt

Nun bleibt uns nichts anderes übrig, als unter der sengenden mexikanischen Mittagssonne auf Hilfe zu warten. Zum Glück
wissen wir, dass  noch ein LKW unterwegs ist, den wir überholt haben, irgendwann muss der ja kommen –

Der LKW kommt. Zum Glück spreche ich Spanisch, denn erwartungsgemäß versteht der Fahrer kein Englisch. Wozu auch. 
Wer Trinkwasser durch die Gegend fährt, hat nur selten mit Touriste
n  zu tun. Der Sohn des Mannes erkundet erst mal neugierig
unser Auto von allen Seiten, während ich mit seinem Vater verhandele, ob er uns oder wenigstens einen von uns, sprich mich,
mit in den nächsten Ort nehmen könnte. Einen Ersatzreifen oder eine Luftpumpe hat er natürlich nicht dabei.

Ich weiß nicht, wie oft er mich fragt, ob wir nicht noch einen anderen Reifen hätten. Wir haben einfach keinen.

Mexikaner sind zwar sehr stille Menschen, aber in der Regel recht hilfsbereit. Der freundliche LKW-Fahrer versichert glaubwürdig,
dass der Wagen nicht ihm gehört und er Trinkwasser transportiert. Er darf mich einfach nicht mitnehmen. Aber er könnte im Ort
Hilfe organisieren und jemanden mit einem neuen Reifen vorbeischicken.

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Lieber nicht, bei dem Reisetempo dauert das ewig !

Er drückt mir noch die Hand, der Junge wirft einen letzten Blick in unser Auto – und wir sehen 
die beiden nur noch in einer Staubwolke verschwinden.

 

Teil III - Das Warten geht weiter

So geht das Warten weiter, ziemlich lange sogar.

Als nächstes kommen einige Kalifornier, die auch nicht helfen können.

Auch das nächste Auto kommt aus Kalifornien. Mit sonnigem Gemüt meint der Fahrer, der offensichtlich noch weniger Ahnung
von Autos hat wie ich, wenn wir langsam fahren würden, kämen wir locker ans Ziel. 8 Meilen - also 15 km. Mit 15 km/h wären
wir in einer Stunde da.

Neben diesem coolen Ratschlag bietet er uns auch noch ein cooles Bier an.

Vielen Dank - aber bei der Hitze sollten wir vielleicht doch lieber beim Trinkwasser aus dem Supermarkt bleiben -

 Teil IV- Die Rettung naht

Schließlich kommt ein typisch mexikanisches Auto aus der  Gegenrichtung. Ein typisch mexikanisches Auto ist ein Pickup
mit einigen Leuten hinten drauf.

An den fröhlichen Gesichtern der Insassen bzw. Aufsassen können wir schon von weitem erkennen, dass sie erkannt haben,
dass hier ein paar Gringos gestrandet
sind.

Die Frauen und Mädchen springen sofort von der Ladefläche und nützen die Pause für etwas Auslauf. Im Nu sind alle hinter
irgendwelchen Kakteen verschwunden.

Die Herren der Schöpfung zünden sich zunächst eine Zigarette an und beginnen nach einem prüfenden Blick auf unseren Reifen 
und der obligatorischen Frage, ob wir nicht noch einen anderen hätten, über unsere schwierige Lage zu fachsimpeln. Leider habe
ich kein Wort von dem verstanden, was sie gesagt haben. Das ist ungefähr so, wie wenn ein Mexikaner, der in der Schule Deutsch
gelernt hat, nach Bayern kommt. Der versteht auch nicht viel.

Die Damen gesellen sich auch wieder zu uns und werden schließlich in einen anderen vorbeifahrenden Pickup umgeladen.
Nun stehen wir nur noch mit drei Männern in der Prärie, die immer noch auf mexikanisch überlegen, was sie jetzt tun sollen.

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Nachdem sie sich nochmals vergewissert haben, ob wir tatsächlich nicht doch noch irgendwo 
einen anderen Reifen haben, machen sie uns den Vorschlag, uns mit zurück nach San Ignacio 
zu nehmen, wo wir einen neuen Reifen kaufen könnten – und dann wieder herzubringen. In dem
anderen Ort gäbe es angeblich keinen Reifenhändler.

Wir nehmen das Angebot dankbar und erleichtert an.

Ich darf vorne neben dem Fahrer Platz nehmen, Manfred darf mexikanisch fahren,
d . h. auf der Ladefläche.

 Teil V- Einmal San Ignacio und zurück

Und los geht die  wilde Fahrt zurück über 45 km Rüttelpiste nach San Ignacio.

Mit der Aussicht auf Hilfe gefällt mir auch die Landschaft wieder besser und ich beginne, das ganze als typisch mexikanisches
Abenteuer zu betrachten.

Manfred, der hinten unter der zunehmend sengenden mexikanischen Hitze schmort und sich trotz Hut einen gewaltigen
Sonnenbrand holt, sieht das vorerst noch nicht so gelassen.

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In San Ignacio fahren uns die drei Herren gleich vor einer llantera (Reifenhandlung) vor und
dort wird auch die defekte Felge fachkundig repariert. Eine neue Felge hat er nicht, also wird
die defekte aufgezogen und mit einigen gezielten Hammerschlägen wieder instand gesetzt.

Manfred meint noch, „Bei uns würde der angezeigt“

Ich antwortete nur „Hauptsache, die Kiste fährt wieder !“

Der ältere unserer drei Helfer bleibt im Ort und die wilde Fahrt geht wieder los.

Nach wenigen Minuten bangen wir bereits um das Auto unserer Helfer. Bei einem äußerst gewagten Ausweichmanöver mit einem
entgegenkommenden LKW – auf so einer Piste fährt keiner freiwillig auch nur einen Meter zurück – sehe ich in Gedanken schon den
Pickup in einem Hang aus Lavagestein stecken bleiben. Aber irgendwie kommen die beiden dann doch noch aneinander vorbei.

Und die Rüttelei geht weiter.

Teil VI- Reifenpanne Nr. 2

Der Fahrer legt ein ziemliches Tempo vor, er hat ja schließlich ein pistentaugliches Fahrzeug und nicht so einen traurigen Gringo-Schlitten
wie wir, mit dem man so was gar nicht fahren dürfte.

Nur müssen wir alle 20 Minuten anhalten, um Wasser nachzufüllen. So wundert es uns auch nicht, als wir mal wieder anhalten.

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Nur ist diesmal nicht das fehlende Kühlwasser der Anlass,
sondern ein platter Reifen.

Zum Glück sind unsere einheimischen Freunde besser ausgerüstet 
als wir und haben mehrere Ersatzreifen dabei, die natürlich alle
genügend Luft haben. Und so können wir einen Reifenwechsel
auf mexikanisch miterleben – mit vollem Körpereinsatz.

Und das ganze findet natürlich unter fachkundiger Aufsicht statt ....

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Teil VI- Das Finale

Stunden später – unsere Exkursion ist bestimmt schon wieder zurück –
kommen wir endlich zu unserem Auto zurück.

Und ich kann an diesem Tag zum dritten Mal einen Reifenwechsel beobachten.

Und der findet natürlich auch wieder unter fachkundiger Aufsicht statt ....

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Als wir uns von unseren Freunden und Helfern mit einem großzügigen Propina (Trinkgeld) verabschiedet haben, geht es nun
in den Endspurt der Piste. Der Lonely Planet schreibt, dass der zweite Teil der Piste in besserem Zustand sei als der erste.
Das war vielleicht vor 3-4 Jahren so, jetzt nicht mehr. Es ist kaum zu glauben,  aber der Zustand der Strecke wird noch schlechter.

Schlaglöcher lösen sich mit ewig langen Waschbrettpisten ab – Manfreds Spezialität, die hatten uns in Australien schon so manchen
Nerv gekostet – und da hatten wir keine Reifenpannen.

Die Anspannung der letzten Stunden ist nicht ganz spurlos an uns vorübergegangen und macht sich nun auf den letzten 15 km
unserer Irrfahrt bemerkbar. Aber wir haben bei der Ankunft am Ziel noch (oder wieder ?) miteinander geredet.

Wie bereits erwähnt, wurde die Piste wenige Tage später ausgebessert und war zumindest Ende Februar 2001 relativ gut befahrbar.

Wenn Sie lieber kein Risiko eingehen wollen, können Sie die Anfahrt ab San Ignacio auch organisiert machen.

Die Fahrt lohnt sich auf jeden Fall, denn am Ende der 59,5 km erwarten Sie die unumstrittenen Stars der Baja California -
las ballenas grises - die Giganten der Meere - Grauwale.

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